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Roberto Wiener - ein Chilene mit Binger Wurzeln

Robert Wiener vor seinem Geschäft in der Kapuzinerstraße 22Vor der Kulisse der Loreley: Robert mit den Söhnen Paul und Otto und Ehefrau CillyKapuzinerstraße 22Sohn Otto Wiener im Jahr 1939 auf dem zugefrorenen Rhein vor dem Binger Mäuseturm

Text: Beate Goetz

Sie sind die Enkel derer, die mit ihren Eltern auf der Flucht vor den Nazis Deutschland verließen. Über den Arbeitskreis Jüdisches Bingen suchen sie nun den Kontakt zur ehemaligen Heimat der Vorfahren. So auch kürzlich Roberto Wiener aus Santiago de Chile.
Urgroßvater Philipp Wiener hatte 1870 nach der Hochzeit mit Pauline Mohr die stattliche Mitgift in den Erwerb eines Hauses in der Kapuzinerstraße 22 und in eine Schuhfabrik investiert. Schon bald stellte sich heraus, dass die Schuhfabrik die rasch wachsende Familie nicht ernähren konnte. Man gab die Produktion auf und eröffnete einen Schuhladen. Als Pauline Wiener im Alter von vierzig Jahren einer grassierenden Grippeepidemie zum Opfer fiel, ließ sie acht Kinder zurück, fünf Mädchen und drei Buben.
Wie die Familienchronik erzählt, blieb Philipp Wiener dem Binger gesellschaftlichen Leben dennoch eng verbunden. So habe er als Präsident eines örtlichen Karnevalvereins in seinem Haus die vereinseigene Trommel aufbewahrt, die jedes Jahr am 11.11. um 11.11 Uhr die neue Karnevalsaison eröffnete. Es soll dabei reichlich Alkohol geflossen sein.
In der Folge ging das Schuhgeschäft an den ältesten Sohn Robert über, der schon bald die Deutschlandvertretung der damals renommierten Schuhmarke Salamander übernahm. Die Geschäfte liefen gut, und Robert Wiener konnte sich eines der ersten Autos leisten, die in Bingen fuhren und gebührend bestaunt wurden. Er gründete mit Cilly Weil eine Familie und wurde Vater von drei Söhnen, Paul, Heinz und Otto, der 1919 geboren wurde.
Mit Beginn der Nazizeit bekam auch Familie Wiener zunehmend die Juden gegenüber angewandten Repressalien zu spüren. Auf Anraten eines schon ausgewanderten Verwandten verließ Robert Wiener mit seiner Familie 1939 Deutschland und emigrierte nach Chile. Man ließ sich auf einer Farm in Valdivia im Süden des Landes nieder. Besonders der knapp zwanzigjährige Otto tat sich schwer in dem fremden Land, mit der fremden Sprache und der ungewohnten Arbeit.
Als der Vater 1947 starb, ging Otto mit der Mutter nach Santiago de Chile, wo er bis zu seinem Tod zusammen mit seiner Frau Mirjam eine eigene Kleiderfabrik betrieb. Er hinterließ Sohn Roberto, der jetzt den Kontakt aufnahm und Tochter Lea. Bruder Paul hatte eine Tochter Erika, Heinz blieb kinderlos.
Auch für Angehörige der Binger jüdischen Familien Brück, Heyum und Simon wurde Chile zur neuen Heimat.