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Zeichen gegen das Vergessen - Gedenken am 9. Nov. 2014

Binger erinnern an der Synagoge an die Opfer der Novemberpogrome
Bericht von Klaus Biesdorf

Mit dem Zitat „...in ständiger Angst um den nächsten Schlag...", entnommen einem Brief, den der Urenkel Amnon Lahav des aus Bingerbrück stammenden Karl Wolff gefunden hatte, wird deutlich, wie im Januar 1939 in Holland die Stimmung unter den emigrierten Juden war. Zugleich war dieses Zitat, von Beate Goetz vorgetragen, auch Leitmotiv des Gedenkens an der Binger Synagoge in der Rochusstraße, die vor 76 Jahren von Anhängern des national-sozialistischen Regimes geschändet und in Brand gesetzt worden war. Hier trafen sich zahlreiche Binger Bürger jeglichen Alters, darunter auch wie seit vielen Jahren Oberbürgermeister Thomas Feser, um einige Minuten innezuhalten und ein Zeichen gegen das Vergessen mit Erinnerung und Gebet zu setzen.
Der Ausschuss für Ökumene der Pfarrgemeinde St. Martin, der Johanneskirchengemeinde, der Freien evangelischen Gemeinde und der Fels-Gemeinde hatten gemeinsam mit dem Arbeitskreis Jüdisches Bingen dieses Innehalten vorbereitet und gestaltet. Eine einfühlsame musikalische Begleitung auf der Flöte hatte Gisela Pörsch übernommen. Erste Akzente setzten. die Texte „Schweigen" und „Gedenken" sowie Auszüge aus der Rede der Bundeskanzlerin anlässlich der Kundgebung des Zentralrates der Juden in Deutschland gegen Antisemitismus am 14. September in Berlin. Schulpfarrerin Ute Pawlitschek hatte mit Schülerinnen einer 8. Klasse der Hildegardisschule zum Thema „Jüdisches Bingen" Spurensuche betrieben und Anregungen zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema Antijudaismus und Rassismus gegeben.

Bemerkenswerte Klarheit
In Auswahl wurden von den Schülerinnen Texte vorgetragen, die in bemerkenswerter Klarheit und in ganz unterschiedlichen Ausdrucksweisen sich dem schwierigen Thema genähert hatten und eindeutig Stellung zur aktuellen Situation in der Bundesrepublik bezogen. Den Schülerinnen war bei ihrer Spurensuche deutlich geworden, wie wichtig es ist, im Alltag „sich aktiv gegen den Rassismus" einzusetzen, gerade wieder angesichts der Ereignisse der jüngsten Zeit Mit den Worten des Psalms 77, dem Segen und Ablegen der Kerzen vor der Gedenktafel endete mit Flötenspiel das Innehalten.