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2015: Berta Schustermann de Klimberg und Mauricio Schustermann

Bericht von Beate Goetz (Mitglied des Arbeitskreises Jüdisches Bingen)

Im Februar 2015 kamen die Geschwister Berta Schustermann de Klimberg aus Argentinien und Mauricio Schustermann aus Israel zu Besuch. Sie sind Enkel des Bingerbrücker Viehhändlers Moritz Winkelstein und seiner Frau Julie, die in der Strombergerstraße 13 wohnten, bis das Anwesen 1938 arisiert wurde. Zur Familie gehörten drei Töchter: Auguste, Toni und Jenny. Toni Winkelstein, Jahrgang 1909, die Mutter der Besucher, emigrierte 1937 nach Argentinien, wo sie mit Gerd Schustermann, der einige Zeit in Bingen lebte, eine Familie gründete. Jenny Winkelstein ging 1938 nach Nordamerika. Moritz und Julie Winkelstein und die älteste Tochter Auguste zogen nach dem Verlust des eigenen Hauses in das Haus von Louis Grünebaum in die Rupertusstraße 13. Im Juni 1940 starb Moritz Winkelstein an einem Herzschlag. Kurze Zeit später gingen Julie und Auguste Winkelstein nach Frankfurt zu Verwandten und wurden von dort 1941 deportiert. Sie überlebten den Holocaust nicht.
Aus den ursprünglich geplanten zwei Besuchstagen in Bingen wurden schließlich fünf, da die Gäste nicht erwartet hatten, mit so vielen Informationen und Nachweisen zur eigenen Familiengeschichte versorgt zu werden. Etwas wehmütig entzündeten die Nachkommen ihre aus Israel mitgebrachten Grableuchten im Ende der 30er Jahre belegten Friedhofsteil. Wie in vergleichbaren Fällen auch konnte das Grab von Moritz Winkelstein bis heute nicht lokalisiert werden, da vermutlich während des Krieges für Juden keine Grabsteine besorgt werden konnten.