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Kerzen für die Opfer

GEDENKEN: Bürger erinnern am 9. November 2013 vor der einstigen Synagoge in Bingen an die Pogromnacht

Allgemeine Zeitung Bingen 11. November 2013:
Alle Fotos: Hermann-Josef Gundlach

BINGEN (red). „Sachor - Gedenke! Denn das Gedenken und Erinnern ist der erste Schritt zur Erlösung." Und: „Vergessen führt in die Gefangenschaft". Es sind Worte, die Rabbi Israel ben Elieser, genannt Baal Schem Tov, zugeschrieben werden, einem großen Gelehrten des chassidisch geprägten Judentums. Mit diesen, Worten wurde das Gedenken an die aus Bingen vertriebenen' und ermordeten Juden eingeleitet. Ort der Erinnerung war die Synagoge, die vor 75 Jahren, wie Synagogen und jüdische Geschäfte im ganzen Deutschen Reich, von An-hängern des nationalsozialistischen Regimes geschändet und in Brand gesetzt wurde. Es trafen sich zahlreiche Binger Bürger, um innezuhalten und ein kleines Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Gestaltet wurde das Gedenken von den Pfarrgemeinden St Martin, der Johanneskirchengemeinde, der Freien evangelischen Gemeinde und der Felsgemeinde gemeinsam mit dem Arbeitskreis Jüdisches Bingen. Eine einfühlsame musikalische Begleitung auf. der Flöte hatte Gisela Pörsch übernommen.
Zwei kurze Texte, vorgelesen von Beate Goetz, erzählen von der Wehmut nach der verlorenen Heimat. So schreibt zum Beispiel Herbert Brück, der mit seinen Eltern und seiner
Schwester vor den Nazis nach. Chile geflohen war, 1997 in seinem ersten Brief an den Arbeitskreis Jüdisches Bingen: „Durch den grausamen Verlauf der Geschichte hat sich unser Schicksal grundlegend verändert, und unser Leben hat einen anderen Verlauf genommen. Ich habe Bingen im Alter von fünfzehn Jahren verlassen, und durch die Optik eines Jugendlichen habe ich diese Epoche erlebt und erlitten. Aber unsere Verbundenheit mit Deutschland war dadurch nicht zu Ende."

Exil statt Heimat
Heriberto Bruck hatte sein Vaterland in Form seiner Muttersprache und der deutschen Literatur in die neue Heimat mitgenommen. Bis zu seinem Tod 2011 hielt er Kontakt zu deutschsprachigen Kreisen. Zur Erinnerung gehört auch das Sich-bewusst-machen der wichtigsten Vorgänge, die den Auftakt zur systematischen Verfolgung, Vertreibung und Ermordung der Juden bildeten. Korrespondierend zum Vortragen der historischen Fakten kam ein Gedicht zu Gehör, das in eindringlichen Worten „schmerzende Bilder" in Erinnerung rief. Mit dem Ablegen der Kerzen vor der Gedenktafel und Flötenspiel endete das besinnende Innehalten.

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