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Verlegung Stolpersteine im Jahr 2013

Bingen-Gaulsheim
Boll; Theodor, Johanette
Mainzerstraße 357

Bingen-Innenstadt
Strauß; Richard, Helene, Elise, Lea
Kurfürstenstraße 3
Wolf; Ernst, Marianne, Marion
Mainzerstraße 10
Rosenstock; Adolf, Selma, Herbert
Rochusstraße 3
Sommer; Sally, Ida, Erwin, Heinz
Gaustraße 14
Keller; Karl, Eva, Ruth, Walter
Rathausstraße 20

6. Stolpersteinverlegung am 5. November 2013

Erster Stolperstein in Gaulsheim
Gedenken: 20 neue Mahnmale erinnern an Schicksale jüdischer Bürger während der NS-Zeit
AZ-Artikel von Jochen Werner

Gunter Demnig setzte gestern einen Stolperstein vor dem ehemaligen Wohnhaus von Theodor und Johanette Boll in Gaulsheim. Foto: Jochen Werner

BINGEN. Siebzig „Stolpersteine" waren es bisher, die in Bingen, Büdesheim und Bingerbrück an die Schicksale der Menschen erinnern, die zu NS-Zeiten deportiert, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden. Eingebracht wurden sie bündig auf dem Bodenniveau vor dem letzten Wohnort der Opfer. Gestern kamen 20 neue Steine hinzu, zum ersten Mal auch welche in Gaulsheim, vor dem Wohnhaus von Theodor und Johanette Boll (die AZ berichtete).

Für Gunter Demnig Routine

Für Gunter Demnig, der am 16. Dezember 1992 zum 50. Jahrestag des „Auschwitz-Erlasses" durch Heinrich Himmler, der zur Deportation der „Zigeuner" führte, den ersten Stein vor das historische Kölner Rathaus setzte, ist das Einsetzen der kubischen Blöcke längst Routine geworden, bei ihm sitzt jeder Handgriff. Mit Limburg kam am Dienstagvormittag der 900. Ort auf seine Liste. 44 000 Steine sind es derzeit, die in 17 Ländern Europas zum Nachdenken und Innehalten anregen sollen. Die jüngsten, so Demnig, seien Russland, Frankreich und die Schweiz.
Durch Demnig erhalten die in den Vernichtungslagern zu  Nummern degradierten Opfer ihre Namen, ihre Identität zurück. Der 66-jährige Berliner will außerdem darauf hinwei-sen, dass es überall Deportationen gab, der Schutzbehauptung vieler Zeitzeugen entgegentreten, man habe vom Abtransport der Nachbarn nichts mitbekommen, von dem Schrecken nichts wissen können. „Die Steine sind zwar gleich, die Geschichten der  Menschen immer anders", so Demnig, der weiß, dass die Tendenz wächst, dass sich im-mer mehr Gemeinden an sei-nem Projekt beteiligen wollen.
„Im nächsten Halbjahr hab ich zeitlich gesehen nicht mehr viel Luft", freut er sich über die Resonanz. Wichtig sei, dass die Initiative aus den Orten komme. Menschen und Verwaltung müssen dahinter stehen. Das klappe fast überall, „nur in  München bin ich bislang auf Ablehnung gestoßen." Der Künstler und Träger des Bundesverdienstkreuzes hofft, dass er mit neuem Bürgermeister auch dort die Vergangenheit auf seine Art aufleben lassen kann. In Bingen ist das längst geschehen. „Einmalig, was er in die Wege geleitet hat, urteilt Dr. Hans-Josef von Eyß über das Schaffen Demnigs, das im Besucher-PC der Historischen Gesellschaft im Museum am Strom dokumentiert ist.
Die Erinnerung wach halten. Zeigen, wie wichtig es ist, Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Für Thomas Feser ist es selbstverständlich, Demnig
und den Arbeitskreis Jüdisches Bingen zu unterstützen. Zeigen müsse man, so der Oberbürgermeister, dass sich das Grauen des Dritten Reiches nicht nur in Berlin und den Großstädten abgespielt habe, sondern Mitbürger überall in Deutschland betroffen waren. Die Geschichte aufzuarbeiten sei ein Prozess von immanent wichtiger Bedeutung. Das unterstrich auch Beate Goetz vom Arbeitskreis Jüdisches Bingen, die Demnig dankte, dass er sich bereits zum sechsten Mal seit 2005 für sein „eindrucksvolles Erinnerungsprojekt" Zeit genommen hatte. Wie immer mit seinem Hut, mit Weste und Halstuch und den wohl vorbereiteten Arbeitsmaterialien.

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