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Nomi Samter

Erinnerungen der Nomi Samter geborene Anneliese Marx (* 1919) aus Bingerbrück.  Transkription von Tonbandaufnahmen, erstellt von Rafi Siano aus Haifa. Sein Großvater Leo Marx war ein Bruder von Nomi Samters Vater Robert, Schmarjahu Marx’ Vater Moritz, von Isidor und Eugenie Marx.

3. Familiengründung

An Schawuot (Pfingsten)1937 machte ich die Bekanntschaft von Hans Samter, meinem späteren Ehemann. Wie erinnert man sich so genau an die erste Begegnung?

Wir hatten da ein Treffen mit der gleichaltrigen Kibbuzjugend und dem damals wichtigen Politiker und Arbeiterführer Jz’chak Tabenkin. Man muss sich vor Augen halten, dass wir aus Deutschland kommenden Jugendlichen der im Lande geborenen Jugend reichlich fremd und exotisch erschienen. An diesem festlichen Abend saßen wir Neuankömmlinge abgesondert zusammen, und die Kibbuzjugend blieb unter sich. Ich war sehr niedergeschlagen und verließ den Saal, um allein zu sein. Da gesellte sich Hans zu mir. Ich kannte ihn von den wöchentlichen Musikabenden, wo man gemeinsam klassische Musik vom Plattenspieler hörte. Er hatte  mich einmal eingeladen, ihn bei der Wache zu besuchen, schließlich machten das die andern Mädchen auch so. Aber an diesem Abend war ich ganz besonders niedergeschlagen und erzählte es Hans. Daraufhin meinte er, er sei gerade aus Italien zurückgekommen, wo er seine Eltern besucht hatte.  Er schlug vor, mir die Bilder seiner Reise zu zeigen. Ich willigte ein, und gemeinsam, damals lebten wir drei Mädchen  in einem Zimmer, schauten wir die Bilder an. Später hörten wir uns auch die Grammophonplatten an, die er aus Italien mitgebracht hatte, so begann unser  Honeymoon mit Kultur.

Unsere Jugendalija-Gruppe war eigentlich dazu bestimmt, sich dem  Kibbuz Na'an im Landeszentrum anzuschliessen, aber fünf Chawerot aus unserer Gruppe blieben in En Charod, und alle lebten mit ihren zukünftigen Partnern zusammen in einem “Familienzimmer”.  Eines Tages erhielt unsere Chawerah (Kameradin) Leah ein Telegramm mit der Ankündigung, ihre Eltern seien auf dem Weg ins Land. Aber wie stehen wir da ohne Heiratspapiere? So beschlossen wir schnell zu heiraten, das war 1938. Aber wenn schon heiraten, dann alle zusammen. Gleichzeitig mit zwei weiteren Pärchen feierten wir am 28. November 1938 in der Synagoge von Kfar Jecheskel bei einem Rabbiner und erhielten die  Ktuba (Trauschein), alles wie es das Gesetz erforderte. Noch viele Jahre lang trafen wir uns jedes Jahr bei einem von uns und feierten dieses Ereignis.