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Spurensuche "Jüdisches Bingen" unterstützt Sara Berman bei Stippvisite 2011 in Stadt ihrer Vorfahren

Hochwasser 1919 Am Haus der Vorfahren,Gerhausstraße 4Hochwasser 1919: Haus Gerbhausstraße 4; E. & L. Kahn (Häute, Felle, Därme); Foto: Sammlung Bernhard EckesSara Bermann an der Schule des GroßvatersBesuch der damaligen Schule des Großvaters

Fotos für den Opa im Gepäck
Artikel in der Allgemeinen Zeitung  11.06.2011  Text: Beate Goetz

Ein Anruf von William Kahn aus USA bei Beate Goetz vom Arbeitskreis Jüdisches Bingen kündigte den Besuch der Enkelin an. Diese wolle, so der Großvater, gegen Ende ihres Deutschland-Aufenthaltes die Stadt ihrer Vorfahren erkunden. Nur allzu gerne war man bereit, der jungen Frau bei ihrer Spurensuche zu helfen. Willi Kahn hatte als Elfjähriger im August 1936 zusammen mit seinen Eltern Ernst und Ida
Kahn und seiner Schwester Gertrude Bingen und die alte Heimat verlassen, um den für Juden immer unerträglicher werdenden Restriktionen durch das Naziregime zu entkommen. Der Vater hatte zuvor in der Gerbhausstraße einen Handel mit Häuten, Därmen und Fellen betrieben. Ausgestattet mit einem Erasmus-Stipendium und einem Studienabschluss in Biologie, trat Sara Berman im September vergangenen Jahres eine Tätigkeit im Max-Planck-Institut in München an. Nach
einem mehrwöchigen Deutsch-Intensivkurs in Marburg war sie auch sprachlich auf ihre Aufgabe vorbereitet.
Die Erinnerungen des alten Herrn an seine ehemalige Heimatstadt war so präzise, dass die Enkelin das einstige Wohnhaus der Familie am Fruchtmarkt/Ecke Löhrgasse schon ohne Hilfe gefunden hatte. Bei einem Rundgang durch Bingen warf man einen Blick auf das Synagogenmodell in den neu renovierten Räumen im ehemaligen Synagogenbau, besuchte den jüdischen Friedhof und hielt inne vor dem einen oder anderen „Stolperstein", der an ein Binger Opfer des Holocaust erinnern soll. Bei strahlend schönem Wetter führte der Weg zu Fuß oder im Auto des Vorsitzenden zu vielen Aussichtspunkten über dem Rhein-Nahe-Eck, von denen aus die junge Besucherin, sichtlich beeindruckt, unzählige Fotos für den Großvater schoss.
William Kahn lebt heute 86jährig mit seiner Frau im Staate New York, Schwester Gertrud (89) in New Jersey.